Vom Privileg zu dienen

September 2, 2017

Am 30. August durfte ich als Grossrat des Kantons Bern bei der Standartenabgabe der EKF (elektronische Kriegsführung) Abteilung 51 auf dem Mont Vully eine Rede halten.

 

 

 

Sehr geehrter Herr Brigadier,

werter Herr Abteilungskommandant,

liebe Gäste,

geschätzte Angehörige der EKF Abt 51

 

Es ist für mich nicht nur eine Freude, sondern auch eine grosse Ehre, dass mich Oberstleutnant Ivan Deutsch angefragt hat, als politischer Vertreter des Kantons Bern einige Worte an Sie zu richten.

 

Sehr geehrte Soldaten, Unteroffiziere und Offiziere, als erstes möchte ich Ihnen danken!

 

Ich möchte Ihnen danken, dass Sie einen Beitrag für die Sicherheit unseres Landes leisten.

 

Ich möchte Ihnen danken, dass Sie während drei bzw vier Wochen pro Jahr ihre eignen Interessen und Bedürfnisse zugunsten der Sicherheit unseres Landes und somit zu Gunsten unserer Gesellschaft zurückzustellen.

 

Sie als Bürger tauschen während rund einem Monat pro Jahr ihre zivilen Kleider mit einem tarnfarbigen Kampfanzug.

 

Sie als Bürger verzichten während rund einem Monat pro Jahr auf die Bequemlichkeiten des zivilen Lebens.

 

Sie als Bürger stellen ihre beruflichen, familiären und persönlichen Interessen und Verpflichtungen zurück, um sich auf mögliche Kriegs- und Kriseneinsätze vorzubereiten.

 

Werte Damen und Herren, in dem sie das tun, leisten sie mehr als Militärdienst, Sie sind ein wesentlicher Garant für das Erfolgsmodell Schweiz!

 

Die Schweiz verfügt über ein stabiles, demokratisches politisches System, wie man es sonst auf der Welt nirgends findet. Die Politiker in der Schweiz sind zwar nicht besser, als in anderen Ländern, aber unser System der direkten Demokratie sorgt dafür, dass die Politiker im Zaum gehalten werden.

 

Die Schweiz hat ein hervorragendes Bildungswesen, wir leben in einem funktionierenden Rechtsstaat, wir haben geringe Arbeitslosenquoten, das Gesundheitssystem gehört zu den besten auf der Welt und den Ärmsten in unserem Land geht es besser als der grossen Mehrheit auf diesem Planeten.

 

Wir sind privilegiert. Wir, ich und sie, die heute hier stehen, haben das Glück, dass wir in diesem Land leben dürfen.

 

Es ist unsere Aufgabe, dass wir zu den Errungenschaften unserer Willensnation Sorge tragen. Wir sind verantwortlich dafür, dass auch die nächsten Generationen solch günstige Voraussetzungen vorfinden, wie uns das vergönnt ist.

 

Die Grundlage dafür ist die Sicherheit!

 

Ohne Sicherheit gibt es keine Stabilität, ohne Sicherheit gibt es keine Freiheit ohne Sicherheit gibt es keine Weiterentwicklung, ohne Sicherheit gibt es keinen Rechtsstaat und keine Demokratie.

 

Verstehen Sie mich aber nicht falsch! Dies ist kein Plädoyer für einen Polizei-, Militär- oder überregulierten Bevormundungsstaat. Zu viele Sicherheitsmassnahmen schränken die Freiheit genauso ein, wie zu wenig Sicherheit.

 

Für Gesellschaften und Individuen gilt in diesem Sinne der Grundsatz: „so viel Sicherheit wie nötig, so viel Freiheit wie möglich“.

 

Werte Damen und Herren, ich bin fest davon überzeugt, dass die Milizarmee genau diesem Grundsatz entspricht!

 

Wir leisten uns nicht ein teures stehendes Heer mit Berufssoldaten, sondern eine Armee, in welcher Bürgerinnen und Bürger ihre Fähigkeiten und ihre Ressourcen der Gesamtheit zur Verfügung stellen.

 

Wir haben keine Armee primär bestehend aus Lohnempfängern, sondern eine Armee bestehend aus unabhängigen, freien und kritischen Bürgerinnen und Bürger, so wie Ihr das seid!

 

Werte Anwesende, im Artikel 59 der Schweizer Verfassung steht :„Jeder Schweizer ist verpflichtet, Militärdienst zu leisten.“

 

Ich frage Sie: „Ist es wirklich eine Pflicht?“

 

Ist es nicht eher ein Privileg? Ein Privileg, dass man in der Schweiz leben kann und selber, als Angehöriger der Armee einen Teil dieses Erfolgsmodell Schweiz sein darf?

 

Militärdienst zu leisten ist nicht immer spassig und nicht selten mit diversen Unannehmlichkeiten verbunden – das bin ich mir als Oberst vollumfänglich bewusst!

 

Aber schlussendlich sind die drei Wochen Militärdienst jährlich während sechs Jahren ein doch eher kleiner Preis für unser Erfolgsmodell Schweiz!

 

Meine Damen und Herren, Ihr dürft Stolz sein, auf das was Ihr in diesem WK geleistet habt und ihr könnt dankbar sein, dass ihr es leisten durftet.

 

Wenn Ihr Ende Woche wieder zurückkehrt in das zivile Leben, dann lasst Euch weiterhin von der Idee des Dienens leiten.

 

Nicht nur in der Armee, sondern auch in anderen Bereichen unseres Lebens brauchen wir Menschen die vom Geiste des Dienens beseelt sind. Dienen ist nichts anderes, als das Verrichten von Taten, der Taten wegen und nicht, weil wir dafür bezahlt werden.

 

Engagiert Euch, engagiert Euch in Vereinen, in eurem Quartier, in der Gemeinde, im Kanton, bei der Feuerwehr oder bei einer gemeinnützigen Organisation und vor allem innerhalb Eures Freundeskreises und Euren Familien.

 

Seien Sie der Mitbürger, den man sich in seinem Land wünscht, seien sie der Nachbar, den Sie sich wünschen, seien sie der Angestellte oder Vorgesetzte, den Sie sich selber wünschen, seien Sie der Freund, der Partner und der Vater oder die Mutter, die Sie sich wünschten!

 

Wenn wir diese Welt verbessern wollen, dann tun wir dies am effizientesten, wenn wir uns selber täglich versuchen zu verbessern.

 

Ich schliesse mit einem kurzen Auszug aus dem Buch „Mensch und Übermensch“ von George Bernhard Shaw:

 

„Dies ist die wahre Freude im Leben, für ein Ziel gebraucht zu werden, dass man selbst als gewaltig anerkennt; eine Naturkraft zu sein, statt eines fieberhaften, egoistischen kleinen Bündels von Kränkungen und Beschwerden, das sich beklagt, dass die Welt nicht alles tue, um einen glücklich zu machen.

 

Ich bin der Meinung, dass mein Leben der gesamten Menschheit gehört und dass es mein Privileg ist, solange ich lebe, für sie zu tun, was immer ich kann.

Ich möchte vollständig aufgebraucht sein, wenn ich sterbe, denn je härter ich arbeite, desto mehr lebe ich. Ich freue mich am Leben seiner selbst willen. Das Leben ist keine 'schnell niederbrennende Kerze' für mich. Es ist eine Art leuchtende Fackel, die ich in der Hand halte, und ich möchte sie so hell wie möglich erstrahlen lassen, bevor ich sie an künftige Generationen weitergebe."

 

In diesem Sinne wünsche ich Euch einen guten Abschluss ihres Wiederholungskurses und auf Eurem weiteren Lebensweg viel Glück!

Besten Dank!

 

Es lebe die EKF Abt 51!

 

 

 

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