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Das Genie der Masse



In einer Welt, wo das Kollektiv das Schlimmste im Menschen wachküssen kann, führt uns Charles Bukowskis "Das Genie der Masse" in die Abgründe der Seele. In diesem Essay diskutiere ich darüber, wie leicht das Individuum seine Schattenseiten entfesselt, sobald es in der Anonymität der Masse aufgeht. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass in der kollektiven Dynamik oft mehr Verderben als Genialität schlummert. Werfen Sie mit mir einen Blick hinter den Vorhang der Gesellschaft und überlegen wir uns, was wirklich passiert, wenn das Individuum Teil eines Kollektivs bzw. einer Masse wird.





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Das Genie der Masse von Charles Bukowski

 

es gibt genug Verrat, Hass, Gewalt und Absurdität im durchschnittlichen Menschen

um eine beliebige Armee an einem beliebigen Tag zu versorgen

 

und die Besten im Morden sind diejenigen, die dagegen predigen

und die Besten im Hassen sind diejenigen, die die Liebe predigen

und die Besten im Krieg sind schließlich diejenigen, die den Frieden predigen

 

Diejenigen, die Gott predigen, brauchen Gott.

Diejenigen, die Frieden predigen, haben keinen Frieden

Diejenigen, die den Frieden predigen, haben keine Liebe.

 

hüte dich vor den Predigern

hüte dich vor den Wissenden

hüte dich vor denen, die ständig Bücher lesen

hüte dich vor denen, die entweder die Armut verabscheuen

oder stolz auf sie sind

hüte dich vor denen, die schnell loben

denn sie brauchen Lob als Gegenleistung

hüte dich vor denen, die schnell zensieren

sie haben Angst vor dem, was sie nicht kennen

Hüte dich vor denen, die ständig Menschenmengen suchen,

denn sie sind nichts alleine

Hüte dich vor dem Durchschnittsmann, der Durchschnittsfrau

hüte dich vor ihrer Liebe, ihre Liebe ist durchschnittlich

sucht den Durchschnitt

 

aber in ihrem Hass steckt Genialität

es ist genug Genie in ihrem Hass, um dich zu töten

um jeden zu töten

die Einsamkeit nicht zu wollen

die Einsamkeit nicht verstehen

sie werden versuchen, alles zu zerstören

das von ihrer eigenen Vorstellung abweicht

da sie nicht fähig sind, Kunst zu schaffen

werden sie Kunst nicht verstehen

sie werden ihr Versagen als schöpferische Menschen

nur als ein Versagen der Welt betrachten

weil sie nicht fähig sind, vollkommen zu lieben

werden sie Deine Liebe für unvollständig halten

und dann werden sie dich hassen

und ihr Haß wird vollkommen sein

 

wie ein glänzender Diamant

wie ein Messer

wie ein Berg

wie ein Tiger

wie Schierling

 

ihre feinste Kunst

 

Es ist faszinierend und doch beängstigend, wie ein Mensch sich verändern kann, wenn er Teil einer Masse wird. Gustave Le Bon sagte es schon 1895: Ein Individuum in der Masse verliert sich selbst und fällt in einen primitiven Zustand zurück. Warum ist das so? In einer Gruppe verschwindet die persönliche Verantwortung, und es scheint, als ob wir uns hinter der Anonymität verstecken könnten.

 

Hannah Arendt sprach von der "Banalität des Bösen", die Idee, dass jeder Mensch zu Grausamkeit fähig ist. Charles Bukowski drückte es noch direkter aus: "Es gibt genug Verrat, Hass, Gewalt und Absurdität im durchschnittlichen Menschen, um eine beliebige Armee an einem beliebigen Tag zu versorgen." In einer Masse scheint es, als ob diese dunklen Tendenzen erweckt werden. In der Masse geben glauben wir die Verantwortung für unser Handeln abgeben zu können, unser Gewissen wird verdrängt durch die Ideologie der Masse. Unsere Taten, sind sich auch noch so schrecklich, werden dadurch gerechtfertigt, dass diese Tat dem Kollektiv, der gemeinsamen Ideologie, dem grossen Ganzen dient. Das Kollektiv wiegt schwerer als unser individuelles Gewissen.

 

Doch hier ist der Kernpunkt: Jeder von uns trägt Verantwortung. Wir dürfen nicht vergessen, dass hinter jeder Masse Einzelpersonen stehen. Jeder Schrei, jeder Applaus, jeder Akt des Widerstands oder der Unterwerfung kommt von einem Individuum. Wir sehen das Muster in der Geschichte immer wieder: bei der russischen Revolution, bei der Machtübernahme der Nationalsozialisten, in der Politik von heute.

 

Le Bon schrieb, die Menge wendet sich jenen zu, die absolute Wahrheiten verkünden. Aber die Geschichte lehrt uns, dass absolute Wahrheiten selten absolut sind. Kritik und Zweifel sind nicht nur notwendig, sondern sie sind das Fundament einer freien Gesellschaft. Bukowski warnt uns: Die besten im Morden, Hassen und Kriegführen sind oft jene, die Frieden, Liebe und Harmonie predigen. Seien wir also wachsam gegenüber den Scharlatanen und jenen, die einfache Antworten auf komplexe Fragen haben.

 

Charles Bukowski war bekannt für seine schonungslose Direktheit, die sich auch in seiner Warnung widerspiegelt: Wir sollen uns hüten vor den Predigern, den selbsternannten Wissenden, den Bücherwürmern, den Lobenden und den Zensoren. Sein Appell ist ein Aufruf zur Wachsamkeit gegenüber denjenigen, die zu wissen vorgeben, was gut und richtig ist, ohne das komplexe Gewebe des Lebens zu verstehen. Bukowski ist nicht gegen das Bücherlesen, er warnt uns aber vor denjenigen Menschen, die ihr ganzes Wissen nur aus Büchern haben aber keinen Bezug zur Realität. Es sind die Menschen, die aus dem Elfenbeinturm dem Pöbel predigen, wie sie zu leben haben.

 

Bukowski erinnert uns daran, dass echtes Wissen mit Demut einhergeht. Wahrhafte Gelehrte und Wissenschaftler wie Einstein oder Heisenberg verstanden, dass es Grenzen unseres Wissens gibt, dass das Universum mehr Geheimnisse birgt, als wir erfassen können. Einstein sagte einmal: „Je mehr ich lerne, desto mehr erkenne ich, wie viel ich nicht weiss.“ Diese Erkenntnis sollte uns leiten, insbesondere in Zeiten, in denen politische und gesellschaftliche Diskurse von absoluten Wahrheiten und einfachen Lösungen dominiert werden.

 

Die Pandemie hat gezeigt, wie kritische Stimmen marginalisiert wurden, wie Faktenchecker und Experten das Narrativ formten. Doch die Realität ist oft komplexer, als es Theorien voraussagen können. Die Isolation alter Menschen zum Beispiel war aus virologischer Sicht vielleicht sinnvoll, aber die psychologischen Konsequenzen wurden vernachlässigt. Es zeigte sich, dass die menschliche Psyche und das Bedürfnis nach Verbindung nicht in klinische Empfehlungen passen.

 

Was Bukowski und die Erfahrungen der Pandemie uns lehren, ist die Bedeutung des kritischen Denkens, des Zweifels und der Vielfalt der Meinungen. Wir müssen uns vor den „Experten“ hüten, die Theorien über die Erfahrung der gelebten Realität stellen. Wir müssen die komplexen Auswirkungen von Entscheidungen auf das menschliche Wohlbefinden anerkennen und dürfen nicht zulassen, dass einfache Antworten die vielschichtigen Fragen unseres Lebens übertönen.

 

Lassen Sie uns also Bukowskis Worte als Ansporn nehmen, unsere eigene Urteilskraft zu schärfen und einen Raum für Vielfalt und Diskurs zu schaffen. Wir sollten nie aufhören zu fragen, zu lernen und zu verstehen, dass Wissen nicht statisch ist, sondern ein lebendiger Prozess des Fragens und des Wachsens. Nur so können wir eine Gesellschaft schaffen, die robust genug ist, um mit den Herausforderungen unserer Zeit umzugehen, ohne ihre Menschlichkeit zu verlieren.

 

Bukowski berührt mit seinen Worten ein weiteres kritisches Thema: die menschliche Tendenz, sich in Massen zu verlieren und freiwillig Individualität und Selbstständigkeit aufzugeben. Er weist darauf hin, dass Menschen, die ständig die Menge suchen, oft nicht für sich alleine stehen können. Seine Beobachtungen sprechen von einer tiefen menschlichen Unsicherheit und der Flucht vor der Einsamkeit in die Anonymität der Masse.

 

Dieses Verhalten kann zu einer gefährlichen Dynamik führen, bei der Individualität und Andersdenken nicht nur abgelehnt, sondern aktiv bekämpft werden. Bukowski hebt hervor, dass in dieser Abneigung gegen die Einsamkeit und im Hass gegen das, was nicht dem eigenen Weltbild entspricht, eine Art von Genialität steckt – eine zerstörerische Energie, die stark genug ist, alles zu vernichten, was von der Norm abweicht.

 

Die Geschichte und jüngste Ereignisse, wie die Corona-Pandemie, haben gezeigt, wie schnell Menschen bereit sind, sich einer kollektiven Meinung anzuschliessen und wie aggressiv gegen diejenigen vorgegangen wird, die Fragen stellen oder anderer Meinung sind. Die Kontroversen um Maßnahmen wie Maskenpflicht und soziale Distanzierung sind Beispiele dafür, wie die Masse jene verunglimpfen kann, die es wagen, die herrschende Logik zu hinterfragen.

 

Bukowskis Worte zeichnen ein dunkles Bild des menschlichen Zustandes inmitten der Masse. Er spricht von einem tiefen Mangel an persönlicher Erfüllung und Selbstverwirklichung, der sich in einem perfektionierten Hass manifestiert. Sein Blick auf die Menschheit ist durchdrungen von der Überzeugung, dass diejenigen, die nicht in der Lage sind zu schaffen und zu lieben, ihre Unzufriedenheit und ihr Versagen auf die Welt projizieren.

 

Die Tragödie, die Bukowski beschreibt, ist, dass Menschen, die sich dem Kollektiv unterwerfen und ihre eigene Identität aufgeben, eine Leere in sich spüren, die sie nicht füllen können. Diese Leere führt zu Frustration und Neid auf diejenigen, die es wagen, anders zu sein, die es wagen zu lieben und die sich selbst treu bleiben. Der Hass der Konformisten ist tief und allumfassend, eine „feinste Kunst“, die sie meisterhaft beherrschen.

 

Historischen Beispiele zeugen von der zerstörerischen Kraft, die entfesselt wird, wenn das Individuum der Masse erlaubt, sein Handeln zu diktieren. Von den Gräueltaten des Kommunismus und des Nationalsozialismus bis hin zu den Schrecken in Ruanda – die Geschichte ist voll von Momenten, in denen kollektiver Hass zu unfassbarer Gewalt geführt hat.

 

Es ist meine Meinung, dass wir in Zeiten leben, in denen die Schatten der Konformität sich lang und drohend über uns erstrecken: Cancel Culture, Zensur, Meinungsunterdrückung im Namen der Demokratie und Freiheit, überall Prediger und Experten, die behaupten die Wahrheit zu kennen, Überwachung und staatliche Regulierung unseres Lebens bis ins kleinste Detail. Es ist offensichtlich, dass wir uns in Richtung eines neuen Totalitarismus bewegen. Einer Gesellschaft, welche das Kollektiv über das Individuum gestellt wird. In diesem Zusammenhang ist das 1966 erschienen Gedicht von Charles Bukowski eine eindringliche Warnung.

 

Charles Bukowski, dieser Chronist der menschlichen Seele, zeigt uns ein Bild der Gesellschaft, in dem die Unterdrückung der individuellen Kreativität und Freiheit nicht nur zu einem Verlust der eigenen Menschlichkeit führt, sondern auch zu einem intensiven und zielgerichteten Hass gegen alles, was anders ist. Dieser Hass, manifestiert sich in Überwachung, Denunziation und Gewalt – ein dunkles Szenario, das uns alle herausfordert.

 

Ich bin aber überzeugt, dass wir diese Vision nicht als unausweichliches Schicksal sehen sollten, sondern als Wendepunkt unserer kollektiven Reise. Wir stehen an einer Weggabelung, an der jeder von uns eine Wahl treffen muss. Wollen wir Teil einer Masse sein, die blind der Mehrheit folgt, oder entscheiden wir uns dafür, Individuen zu sein, die für unsere Einzigartigkeit und die Freiheit anderer einstehen?

 

Ich sage Ihnen, es ist Zeit, dass wir aufstehen. Es ist Zeit, dass wir die Bedeutung der Selbstverwirklichung erkennen und verteidigen. Bukowski ermahnt uns, aufmerksam und wachsam zu sein, und diese Worte sollten in unseren Herzen widerhallen.

 

In meiner Vorstellung sehe ich eine Gesellschaft, die nicht durch Hass und Gewalt gespalten ist, sondern eine, die auf Verständnis, Respekt und echter menschlicher Verbindung basiert. Um dorthin zu gelangen, müssen wir den Mut aufbringen, unser eigenes Leben zu gestalten, zu lieben und kreativ zu sein, auch wenn es bedeutet, alleine zu stehen.

 

Ich rufe Sie heute auf:

 

  • Hinterfragen Sie ständig die Informationen, die Sie erhalten. Seien Sie skeptisch gegenüber einfachen Lösungen für komplexe Probleme.

  • Engagieren Sie sich aktiv im Diskurs. Schaffen Sie Räume, in denen verschiedene Meinungen respektiert und gehört werden.

  • Haben Sie den Mut, das auszusprechen, was sie denken. Haben Sie aber auch die Grösse anderen zuzuhören und seien Sie bereit ihre eigene Meinung auch zu überdenken.

  • Seien Sie kritisch gegenüber Experten und Predigern, die behaupten, dass sie die Wahrheit sprechen. Seien Sie aber auch gegenüber sich selbst Kritik und seien Sie sich bewusst, dass niemand – auch Sie nicht – die Wahrheit kennt.

  • Bewahren Sie Ihre individuelle Urteilskraft. Lassen Sie sich nicht von der Masse verführen.

  • Suchen Sie nach Wegen zur Selbstverwirklichung, die nicht auf Kosten anderer gehen und die die Menschlichkeit bewahren.

 

Liebe Piraten, es ist die Macht der Einsamkeit und Selbstreflexion, die uns die wahre Stärke offenbart. Es ist nicht die Anzahl der Menschen, die uns umgeben, die unsere Stärke ausmacht, sondern die Fähigkeit, allein zu stehen und unsere eigene, authentische Stimme zu finden. Es ist die Autonomie und das unabhängige Denken, die wir hochhalten müssen.

 

Lasst uns also nicht zu einer undifferenzierten Masse werden. Lasst uns eine Gemeinschaft sein, die ihre Einzigartigkeit wertschätzt. Indem wir für unsere Werte und Überzeugungen einstehen, auch wenn sie nicht populär sind, können wir auf eine Welt hoffen, die frei von Hass und Gewalt ist.

 

Stehen Sie mit mir auf, meine Freunde. Lassen Sie uns diesen Weg gemeinsam gehen, und vielleicht entdecken wir auf dieser Reise nicht nur uns selbst, sondern auch den Schlüssel zu einer neuen Welt.


The Genius of the Crowd by Charles Bukowski


there is enough treachery, hatred violence absurdity in the average


human being to supply any given army on any given day


and the best at murder are those who preach against it


and the best at hate are those who preach love


and the best at war finally are those who preach peace


those who preach god, need god


those who preach peace do not have peace


those who preach peace do not have love


beware the preachers


beware the knowers


beware those who are always reading books


beware those who either detest poverty


or are proud of it


beware those quick to praise


for they need praise in return


beware those who are quick to censor


they are afraid of what they do not know


beware those who seek constant crowds for


they are nothing alone


beware the average man the average woman


beware their love, their love is average


seeks average


but there is genius in their hatred


there is enough genius in their hatred to kill you


to kill anybody


not wanting solitude


not understanding solitude


they will attempt to destroy anything


that differs from their own


not being able to create art


they will not understand art


they will consider their failure as creators


only as a failure of the world


not being able to love fully


they will believe your love incomplete


and then they will hate you


and their hatred will be perfect


like a shining diamond


like a knife


like a mountain


like a tiger


like hemlock



their finest art

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