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Erschöpft! Wenn selbst die Starken fallen - Ein Gespräch mit Unternehmer Lukas Jampen

  • vor 2 Tagen
  • 3 Min. Lesezeit

Burnout, Erschöpfungsdepression, Suizidgedanken: Im Podcast «Der stoische Pirat» spricht Unternehmer und Autor Lukas Jampen so offen wie selten über seinen tiefsten Absturz. Es ist ein Gespräch über Leistung, Männlichkeit, mentale Gesundheit – und darüber, warum wahre Stärke manchmal darin besteht, sich helfen zu lassen.

Unternehmer und Buchautor Lukas Jampen spricht im Podcast "der stoische Pirat" über seine Erschöpfungsdepression.
Unternehmer und Buchautor Lukas Jampen spricht im Podcast "der stoische Pirat" über seine Erschöpfungsdepression.

Auf den ersten Blick wirkt Lukas Jampen wie der Inbegriff von Stärke. Gross, kräftig, markanter Bart. Unternehmer. Zimmermann. Familienbetrieb in vierter Generation. 45 Mitarbeitende. Einer, der anpackt. Einer, der führt.

Doch genau dieses Bild begann irgendwann zu bröckeln.


In der 193. Folge des Podcast "Der stoische Pirat" erzählt Jampen von einem Absturz, der sich über Monate ankündigte – und den trotzdem kaum jemand wirklich erkannte. Immer weniger Schlaf. Immer mehr Arbeit. Immer mehr Verantwortung. Alkohol, um herunterzukommen. Medikamente, um überhaupt noch schlafen zu können. Gereiztheit. Kontrollverlust.


«Je weiter man in diese Spirale kommt, desto schneller dreht sie. Irgendwann schaffst du es nicht mehr.»

Es ist keine Geschichte eines plötzlichen Zusammenbruchs. Es ist die Geschichte eines Menschen, der sich langsam selbst verlor.




Jampen beschreibt eindrücklich, wie Erfolg zur Falle werden kann. Jeder Auftrag, jede neue Aufgabe schien zu bestätigen, dass noch mehr möglich sei. Er wollte gestalten, Verantwortung übernehmen, Chancen nutzen. Doch irgendwann war da keine Distanz mehr zwischen der Rolle als Unternehmer und dem Menschen Lukas Jampen.


«Ich habe mich verloren in der Aufgabe.»

Der Wendepunkt kam ausgerechnet an einem Anlass, den er moderieren sollte. Perfektion war immer sein Anspruch. Doch diesmal hatte er nichts vorbereitet. Nicht aus Nachlässigkeit – sondern weil sein Kopf schlicht nicht mehr funktionierte. Kurz darauf folgte der völlige Zusammenbruch.


Besonders bewegend wird das Gespräch, als Jampen über die dunkelsten Tage seines Lebens spricht. Er berichtet von Alkohol, Beruhigungsmitteln und Schlafmedikamenten. Von körperlichen Krämpfen. Von völliger Erschöpfung.

Und dann sagt er einen Satz, der lange nachhallt:

«Mir war das Schönste, einfach zu gehen.»

Er spricht offen über konkrete Suizidgedanken. Über einen ausgearbeiteten Plan. Über Telefonate mit engen Freunden, irgendwo zwischen Abschied und letztem Hilferuf.


Gerade diese Offenheit macht das Gespräch so wertvoll. Denn Jampen romantisiert nichts. Er beschreibt weder Heldentum noch schnelle Lösungen. Er zeigt, wie zerbrechlich ein Mensch werden kann – selbst dann, wenn nach aussen alles nach Erfolg aussieht.


Ein zentrales Thema ist dabei die Einsamkeit von Führungskräften.


«Man ist als Führungsperson häufig einsam an der Spitze.»

Wer Verantwortung trägt, spricht oft immer weniger über die eigenen Sorgen. Probleme werden weggedrückt. Schwäche scheint keinen Platz zu haben. Genau darin sieht Jampen heute eine der grössten Gefahren.

Sein Weg zurück begann nicht mit einem einzigen grossen Moment, sondern mit vielen kleinen Schritten. Abstand gewinnen. Schlafen. Hilfe annehmen. Schreiben. Lernen, sich selbst nicht mehr für unersetzlich zu halten.

Heute formuliert er seine wichtigste Erkenntnis überraschend einfach:

«Ich nehme mich selber viel weniger wichtig.»

Dieser Satz wirkt fast unscheinbar. Tatsächlich steckt darin eine radikale Veränderung. Der Mann, der früher glaubte, auf tausend Hochzeiten tanzen zu müssen, spricht heute von Grenzen, von Selbstfürsorge und davon, dass Gesundheit wichtiger ist als Status oder Besitz.


Das Gespräch ist deshalb weit mehr als eine Geschichte über Burnout. Es ist eine Reflexion über unsere Leistungskultur. Über den permanenten Vergleich mit anderen. Über soziale Medien, Erfolg und die Illusion, immer noch mehr erreichen zu müssen.


Vor allem aber ist es ein Gespräch über Hoffnung.

Denn Lukas Jampen steht heute nicht vor Menschen, weil er gefallen ist. Sondern weil er wieder aufgestanden ist – und bereit ist, seine Geschichte zu erzählen, damit andere vielleicht früher erkennen, was er selbst zu lange übersehen hat.


Vielleicht ist genau das die stärkste Form von Leadership: nicht Unverwundbarkeit vorzuspielen, sondern den Mut zu haben, die eigene Verletzlichkeit sichtbar zu machen.



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