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„Wenn Zwölfjährige ihr Leben riskieren“ – Iran-Aktivist Sebastian Di Benedetto über Revolution, Massaker und das Schweigen des Westens



Tausende Tote, systematische Hinrichtungen und eine Jugend, die bereit ist zu sterben, um frei zu leben: Im Podcast "Der Stoische Pirat" spricht Gastgeber Mathias Müller mit dem Content Creator und Iran-Aktivisten Sebastian Di Benedetto über die brutale Realität im Iran. Di Benedetto, selbst halb Perser, macht mit viralen Social-Media-Beiträgen auf die Massaker des Regimes aufmerksam – und kritisiert das Schweigen westlicher Gesellschaften, feministischer Bewegungen und internationaler Politik.


Seit rund zehn Tagen steht Sebastian Di Benedetto im Zentrum einer wachsenden digitalen Protestbewegung. Der in der Schweiz lebende Content Creator mit persisch-italienischen Wurzeln nutzt soziale Medien, um auf die eskalierende Gewalt im Iran aufmerksam zu machen. Seine Videos wurden international von Aktivisten geteilt – ein Zeichen dafür, wie gross der Hunger nach Information ist.


Im Gespräch mit Podcast-Host Mathias Müller beschreibt Di Benedetto, warum er sich entschloss, nicht länger zu schweigen. Die aktuellen Bilder aus dem Iran – tote Jugendliche, öffentliche Hinrichtungen, schwer bewaffnete Sicherheitskräfte gegen unbewaffnete Zivilisten – hätten bei ihm einen inneren Wendepunkt ausgelöst. „Ich konnte nicht mehr nur zuschauen“, sagt er. Sein Ziel sei nicht persönliche Reichweite oder Influencer-Status, sondern Aufklärung, Sensibilisierung und internationale Aufmerksamkeit.


Di Benedetto schildert eindrücklich die Lebensrealität im Iran: explodierende Lebensmittelpreise, fehlende Grundrechte, totale staatliche Kontrolle und eine besonders brutale Unterdrückung von Frauen. Frauen seien im System der Mullahs rechtlos, ihre Freiheit massiv eingeschränkt. Tanzen, freie Kleidung oder öffentliche Kritik würden mit Haft, Folter oder Tod bestraft.


Das derzeitige Vorgehen des Regimes sei kein Ausnahmezustand, sondern Teil eines bekannten Musters. Bereits bei früheren Protestbewegungen in den vergangenen Jahren – etwa 2009, 2017 oder 2022 – sei das islamistische Regime mit extremer Gewalt gegen die eigene Bevölkerung vorgegangen. Verhaftungen, Schusswaffeneinsatz und Todesopfer seien immer wieder die Antwort auf gesellschaftlichen Widerstand gewesen.


Neu sei jedoch die Dimension der aktuellen Bewegung: Menschen im Alter von zwölf, fünfzehn oder zwanzig Jahren gingen heute bewusst auf die Strasse – im Wissen, dass sie möglicherweise nicht zurückkehren würden. Viele hätten nichts mehr zu verlieren. Die wirtschaftliche Not, fehlende Zukunftsperspektiven und völlige Entrechtung hätten eine Generation hervorgebracht, die bereit sei, ihr eigenes Leben zu riskieren, um wenigstens anderen eine bessere Zukunft zu ermöglichen.


Besonders scharf kritisiert Di Benedetto die westliche Doppelmoral. Während über Jahre hinweg massive Demonstrationen und mediale Dauerempörung zum Thema Palästina stattfanden, herrsche angesichts der Lage im Iran weitgehend Schweigen. Feministische Bewegungen, die sonst lautstark auftreten, seien kaum sichtbar – obwohl iranische Frauen derzeit unter Einsatz ihres Lebens für Freiheit kämpfen.


Auch politische Argumente wie „Hands off Iran“ weist Di Benedetto entschieden zurück. Das Regime habe die Bevölkerung systematisch entwaffnet; ein selbstbestimmter Aufstand sei faktisch unmöglich. Wer fordere, das Volk müsse allein entscheiden, ignoriere die Realität vor Ort: Menschen stünden unbewaffnet hochgerüsteten Sicherheitskräften gegenüber. Revolution sei möglich – aber nur um einen enormen menschlichen Preis.


Historisch ordnet Di Benedetto die Entwicklung des Landes in einen grösseren Kontext ein. Der Iran sei nicht immer ein islamistischer Staat gewesen. Das frühere Persien war religiös vielfältig, geprägt von kultureller Offenheit und vergleichsweise grosser persönlicher Freiheit. Erst die Revolution von 1979 habe ein System hervorgebracht, das Religion, Macht und Gewalt miteinander verschmolz.


Trotz aller Brutalität spürt Di Benedetto heute etwas Neues: eine Entschlossenheit, die nicht mehr zurückweicht. Die Proteste seien breiter, mutiger und verzweifelter als zuvor. Das Regime halte sich nur noch durch massive Repression – zunehmend auch mit Unterstützung externer Milizen, die einen regionalen Dominoeffekt fürchten.

Der Podcast endet mit einer klaren Botschaft: Es gehe nicht um Geopolitik, Öl oder Machtblöcke, sondern um Menschenleben. „Jedes Leben zählt“, betont Di Benedetto. Die iranische Revolution sei kein ferner Konflikt – sie sei ein Kampf um Freiheit, der auch Europa betreffe. Schweigen bedeute Mitverantwortung.



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