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Verschwörungstheorien: Wer glaubt wirklich daran – und warum du dich dabei wahrscheinlich irrst

  • vor 8 Stunden
  • 3 Min. Lesezeit

Verschwörungstheorien gelten als Phänomen der politischen Rechten. Ungebildet. Abgehängt. Populistisch. Doch eine wegweisende Studie aus 2025 – mit über 43'000 Befragten in 13 europäischen Ländern – zerstört dieses Klischee gründlich. In diesem Beitrag erfährst du, welche politische Kombination tatsächlich am anfälligsten für Verschwörungsdenken ist, warum Bildung und Einkommen kaum eine Rolle spielen – und wer am resistentesten ist.




Das bequeme Narrativ – und warum es falsch ist

Sobald jemand von Verschwörungen spricht – Eliten, Globalisten, "die da oben" – folgt die Standardreaktion wie ein Reflex: "Das sind die Rechten. Die Populisten. Die dummen, ungebildeten Leute." Punkt. Ende der Diskussion. Diese Vereinfachung ist nicht nur bequem – sie ist schlicht falsch. Und das beweist jetzt eine Studie, die man nicht so leicht wegwischen kann.


Die Studie: Echte Wissenschaft, unbequeme Ergebnisse

Florian Buchmayr (Universität Bremen) und André Krouwel (VU Amsterdam) haben 2025 in der renommierten Fachzeitschrift Political Psychology eine bahnbrechende Untersuchung veröffentlicht. Grundlage: über 43.000 Befragte in 13 europäischen Ländern, erhoben mit einer validierten Skala für generelles Verschwörungsdenken.

Die Teilnehmer wurden gefragt, inwieweit sie Aussagen zustimmen wie: "Regierungsbehörden überwachen alle Bürger", "Ereignisse ohne offensichtlichen Zusammenhang sind oft das Ergebnis geheimer Aktivitäten" oder "Es gibt geheime Organisationen, die politische Entscheidungen stark beeinflussen." Dazu eine saubere Analyse entlang drei politischer Dimensionen: Umverteilung, Migration und Autoritarismus – kontrolliert für Bildung, Einkommen, Alter, Geschlecht und Ländereffekte. Das ist keine Kaffeesatzleserei. Das ist echte, peer-reviewte Wissenschaft.


Das Ergebnis: Wer ist wirklich anfällig?

Das stärkste Verschwörungsdenken konzentriert sich nicht einfach "bei den Rechten". Es findet sich an einem sehr spezifischen Punkt im politischen Raum:


Bei Menschen, die wirtschaftlich knallhart links sind – und gleichzeitig kulturell konservativ und autoritär denken.


Diese Gruppe steht für:

→  Starke Umverteilung, höhere Steuern für Reiche, harte Kritik an Grosskonzernen und Kapital.

→  Kulturell: klare Ablehnung von Masseneinwanderung, Betonung von Ordnung, Tradition und Respekt vor Autoritäten.

→  Politisch: Wunsch nach einem starken Staat und starken Führungspersönlichkeiten, die "endlich durchgreifen" – inklusive staatlicher Kontrolle über Medien und Kultur.

Eine explosive Mischung: sozialistisch-wirtschaftlich, konservativ-kulturell, autoritär im Kern. Liberal? In keiner Weise.


Bildung und Geld spielen kaum eine Rolle

Was besonders überraschend ist: Dieses politische Profil findet sich quer durch alle sozialen Schichten. Arm und reich. Hochgebildet und ohne Schulabschluss. Jung und alt. Männer und Frauen. Es geht nicht primär um Bildung oder Einkommen – sondern um einen ganz bestimmten politischen Glaubenssatz. Wer denkt, Verschwörungsdenken sei ein Problem der "Abgehängten", liegt fundamental falsch.


Der innere Widerspruch: Anti-autoritär und pro-Autorität zugleich

Was dieses Profil so faszinierend macht, ist sein innerer Widerspruch: Auf der einen Seite tiefes Misstrauen gegenüber aktuellen Eliten und Institutionen – "die da oben lügen uns an". Auf der anderen Seite ein starker Wunsch nach mehr Staat, mehr Kontrolle, mehr Umverteilung, mehr Regulierung und einer starken Führung, die "für Ordnung sorgt".


Sie geben sich anti-autoritär und systemkritisch – sehnen sich aber insgeheim nach genau der starken Hand, die alles richtet. Eine Art "Solidarität für die eigenen Leute": ein starker Staat, der umverteilt, aber gleichzeitig die Nation kulturell schützt und nach außen abgrenzt.


Die Mitte und das Gegenteil

Die klassischen demokratischen Linken – wirtschaftlich links, kulturell progressiv – und die klassischen demokratischen Rechten – wirtschaftlich rechts, kulturell konservativ – liegen beide deutlich darunter, irgendwo in der Mitte der Verschwörungsanfälligkeit.


Den absoluten Gegenpol bilden Menschen mit der entgegengesetzten Kombination: wirtschaftlich rechts, kulturell progressiv. Also Libertäre. Sie setzen auf freien Markt, Eigenverantwortung und Meritokratie – und gesellschaftlich gilt für sie: Jeder soll im Privaten machen, was er will, solange er andere nicht schadet. Das Individuum steht im Zentrum, nicht das Kollektiv.


Genau diese Haltung macht sie am resistentesten gegen Verschwörungsdenken. Sie brauchen anscheinend keine grosse Verschwörung, um sich die Welt zu erklären.


Politische Heimatlosigkeit als Verstärker

Die Studie zeigt ausserdem: Menschen mit diesem "National & Authoritarian Solidarity"-Profil fühlen sich politisch oft nicht richtig vertreten. Sie wählen überdurchschnittlich häufig radikale Parteien oder wenden sich ganz vom System ab. Kein Wunder – sie wollen beides: wirtschaftlichen und kulturellen Schutz. Und genau das bieten nur wenige Parteien an.


Fazit: Das Epizentrum liegt woanders, als du dachtest

Wer heute ernsthaft über Verschwörungstheorien sprechen will, muss aufhören, sie pauschal "den Rechten" in die Schuhe zu schieben. Das ist zu einfach – und schlicht falsch.


Das Epizentrum liegt dort, wo sich wirtschaftlicher Linksruck, kultureller Rückwärtsgang und autoritäres Ordnungsbedürfnis kreuzen. Eine Kombination, die die Lieblingserzählung vieler Linker ordentlich zerlegt – und die zeigt, dass politisches Denken komplexer ist, als uns die etablierten Lager gerne glauben machen wollen.

Denk darüber nach.


Den vollständigen Podcast zum Thema findest du direkt hier auf dem Kanal.

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