Erfolgsrezepte der Boxchamps Usyk und Joshua



In dieser 76. Folge präsentiere ich Ihnen 14 motivierende Zitate der zurzeit erfolgreichsten aktiven Schwergewichtsboxer: Aleksander Usyk und Anthony Joshua. Es sind Weisheiten, die sich auch auf andere Lebensbereiche übertragen lassen.




In der Nacht vom 20. auf den 21. August kämpften der Ukrainer Aleksander Usyk und der Engländer Anthony Joshua in Saudi Arabien um den Titel im Schwergewichtsboxen der Verbände WBA, WBO, IBO und IBF.


Bereits im September 2021 standen sich die beiden gegenüber. Herausforderer Usyk war der grosse Aussenseiter im ausverkauften Wembleystadion gegen den damaligen Weltmeister Anthony Joshua. Doch der kleinere und leichtere Usyk bezwang den englischen Modelathleten einstimmig nach Punkten.


In der Folge wurde die Karriere des 34jährigen Ukrainers durch den Krieg, der just am 12. Geburtstag seiner Tochter angefangen hatte, unterbrochen. Usyk sah es als seine Pflicht an sein Land mit Waffen zu verteidigen, dies, obwohl er wie andere Spitzensportler von der allgemeinen Wehrpflicht in ausgenommen worden war.


In einem Interview mit einem englischen Journalisten sagte Usyk unlängst über seine Erfahrungen im Einsatz:


«Jeden Tag, den ich dort war, betete ich und flehte: "Bitte, Gott, lass nicht zu, dass jemand versucht, mich zu töten. Bitte lass nicht zu, dass jemand auf mich schießt. Und bitte lass mich keinen anderen Menschen erschiessen.'"


Bei einem Besuch in einem Spital baten ihn verwundete ukrainische Soldaten, dass er in den Ring zurückkehren sollte. Er würde dort mehr für sein Land bewirken, als wenn er an der Front gegen die Russen kämpfe. Dies bewog Usyk die Titelverteidigung gegen Joshua ins Auge zu fassen.


Usyk ist sich der Bedeutung des Kampfes für die Moral seiner Landsleute bewusst. Er hatte sogar angeboten sämtliche Kosten zu übernehmen, um die Pay-per-view-Beschränkungen in der Ukraine aufzuheben. In der Zwischenzeit haben sich die Organisatoren und Streaming-Dienste aber darauf geeinigt, den Kampf in der Ukraine kostenlos auszustrahlen.


Sowohl der studierte Sportwissenschaftler Usyk, wie auch sein Herausforderer Anthony Joshua sind faszinierende Persönlichkeiten. Beide sind reflektierte und auf ihre eigene Art spirituelle Menschen. Sowohl Usyk, der auch Gedichte schreibt, Gitarre spielt und eine Leidenschaft für das Theater hat, wie auch der belesene Joshua, der sich mit Philosophie und Religion auseinandersetzt, sind weit mehr, als das was die meisten Menschen unter einem Schwergewichtsboxer verstehen.


Folgend einige inspirierende Zitate der beiden Champions zu verschiedenen Themen.


1. Fokus


Usyk: «Wenn man in dem, was man tut, grossartig sein will, muss man sich wirklich selbst einschränken, deshalb betrachte ich mein Leben als das eines Mönchs.»

Bei Anthony Joshua tönt es ähnlich:


«Ich sehe meine Karriere wie eine Gefängnisstrafe, wie wenn ich zu zehn Jahren Haft verurteilt wäre. Es gibt keine Ablenkungen. Ich bin gezwungen mich voll zu konzentrieren und ich bin gezwungen diszipliniert zu leben. Nach zehn Jahren komme ich dann nach Hause und wir werden eine Willkommensparty feiern. Aber im Moment muss ich mich von Ablenkungen fernhalten.»

Dies gilt auch für andere Bereiche des Lebens. Wenn man in irgendeinem Gebiet aussergewöhnlich erfolgreich sein will, dann muss die ganze Aufmerksamkeit dieser Sache gewidmet werden.


Ich staune immer wieder, wenn ich Jungunternehmer sehe, die als erstes ihre Ferien buchen, ein beeindruckendes Firmenauto und moderne stylische Möbel kaufen.


Wer den grossen Erfolg anstrebt, wer ein Champion werden will, der muss die richtigen Prioritäten setzen. Die hauptsächliche Aufmerksamkeit gilt in diesem Moment des Lebens dieser einen Aufgabe. Man lebt, isst und atmet diese Aufgabe.


Als meine Frau ihre Unternehmung aufbaute, war sie damit 24/7 beschäftigt. Während der ersten vier Jahren machte sie nicht einen Tag Ferien. Dafür hatte sie im vierten Jahr einen siebenstelligen Umsatz erreicht und nach etwas über zehn Jahren die Unternehmung erfolgreich verkauft.


Dies ist auch der Unterschied zwischen «Wünschen» und «Wollen». Wer Erfolg will, tut das Notwendige dafür und ist auch bereit Entbehrungen in Kauf zu nehmen, wer sich hingegen nur Erfolg wünscht, der ist nicht bereit auf kurzfristige Bequemlichkeiten und Freuden zu verzichten, sondern hofft, dass der Erfolg durch Glück und Zufall eintrifft.


Ihren eisernen Willen zeigen die beiden auch im Zusammenhang mit Genussmitteln.


Joshua ist nach einer Jugend mit Alkohol und Drogen zum Abstinenzler geworden und Usyk, der zugibt den Geschmack von Bier und Whisky zu mögen, verzichtet darauf, weil es ihm auf dem Weg zu seinem Ziel schadet.


Usyk erklärte in einem Interview, dass es sich bei einem Athleten wie um eine schwangere Frau handelt. Auch wenn man etwas gern geniessen würde, verzichtet man darauf, weil man etwas anderes noch als wichtiger einschätzt als diese unmittelbare Befriedigung.



2. Selbstvertrauen


Usyk: «Viele Leute glauben nicht an mich. Sie denken, ich sei zu klein für das Schwergewicht. Genauso wie mir viele Leute vor langer Zeit gesagt haben, dass ich nicht boxen sollte. Dass ich es nicht schaffen würde. Ich klopfe mir einfach auf den Kopf und sage, ich bin fähig. Ich kann es schaffen.»

Joshua: «Man muss von einem Punkt aus sprechen, von wo aus alles möglich ist. Wenn du von einem Ort aus sprichst, an dem es Grenzen gibt, hast du dich bereits darauf eingestellt, zu scheitern.»

Niemand erreicht ein Ziel, wenn er sich nie auf den Weg begibt.


Es gibt immer Zweifler in unserem Umfeld. Schlussendlich ist es aber an uns selbst Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen.


Usyk gewann über 300 Amateurkämpfe, bevor er Profiboxer wurde. Seinen allerersten Kampf als Amateur hat er aber verloren.


Stellen wir uns mal vor, Usyk hätte auf all jene gehört hätte, die ihm vom Boxsport abgeraten haben und nach dem ersten Kampf mit einer gewissen Genugtuung gesagt haben: «Wir haben es ja gewusst, dass es so rauskommt.»



3. Selbstdisziplin und Selbstverantwortung


Usyk: «Niemand ausser mir kommt in meinen Kopf.»

und


«Der härteste Gegner bin ich. Manchmal will ich nicht trainieren. Manchmal will ich nicht boxen. Manchmal trifft einen das Leben an einem Punkt, an dem man gar nicht mehr leben will. Man muss ständig mit sich selber ringen. Du musst dich zwingen, morgens aufzuwachen. Du musst Dich zwingen, auf Dein Gewicht zu achten. So kämpfe ich mit mir und bezwinge ich mich immer wieder selbst.»

Joshua: "Das Mentale ist wichtiger als das Körperliche. Sie wissen schon, diese Stimme in Ihrem Kopf, die Ihnen sagt, dass Sie aufgeben sollen, wenn es schwierig wird. Das ist mein wichtigster Kampf - dafür zu sorgen, dass, wenn mein Körper aufhören will, mein Geist dies nicht zulässt."

Und in einem weiteren Zitat sagt Joshua:


"Vom Hals aufwärts gewinnt oder verliert man den Kampf. Das ist die Kunst des Krieges. Du musst Dich selbst in die Schranken weisen und Deine Denkweise strategisch ausrichten."

Viele unserer Ängste, Zweifel und Sorgen sind selbst auferlegt. Wenn wir nicht als Torwächter unserer Überzeugungen und Wahrnehmungen agieren, bauen wir im Laufe der Zeit eine Sammlung von destruktiven und kontraproduktiven Überzeugungen auf. Diese führen dazu, dass wir die Welt auf künstlich negative Weise betrachten. Dies wiederum hat zur Konsequenz, dass wir nicht erfolgreich sein können.


Der Stoiker Marcus Aurelius erklärte in diesem Zusammenhang: "Heute bin ich der Angst entkommen. Oder nein, ich habe sie abgelegt, denn sie war in mir, in meinen eigenen Wahrnehmungen - nicht im Äusseren."


Beide Boxer übernehmen, wie die alten Stoiker, Verantwortung für sich selbst. Sie suchen keine Ausreden in ihrem Umfeld oder in nicht kontrollierbaren Dingen.


«Niemand ausser mir, kommt in meinen Kopf». Merken wir uns diese Weisheit des Ukrainers Usyk.


Fragen Sie sich einmal, wie oft andere in ihren Kopf eindringen. Wie oft Sie Ihre Entscheidungen aufgrund dem, was andere sagen oder von Ihnen denken könnten, beeinflussen lassen. Wie oft Sie Dinge tun, die Sie gar nicht wollen, Sie aber trotzdem tun, weil man es so von Ihnen erwartet.



4. Ziele


Usyk: «Wir müssen uns Ziele setzen und auf sie zugehen».

Joshua: «Setzen Sie sich einfach ein Ziel und verfolgen Sie dieses. Denn am Ende werden Sie immer an einem besseren Ort sein am Anfang.»

Ich lerne immer wieder Menschen kennen, die zwar meinen, dass sie Ziele haben, bei genauerer Betrachtung sind es aber lediglich Träume.


Ein Ziel kann man verfolgen, ein schöner Traum ist ein reines Zufallsprodukt.


Überlegen Sie sich mal, was genau ihr Ziel ist und noch wichtiger, was sie jeden Tag dafür tun, um diesem Ziel näher zu kommen.


Wer ein Ziel hat, kann sich darauf fokussieren. Wer kein Ziel hat, verliert sich in Belanglosigkeiten und Nebensächlichkeiten. Ohne Ziel kein Fokus.



5. Reichtum und Luxus


Joshua: «Wenn man mit Leuten zu tun hat, die Geld haben, merkt man, dass Geld nicht so beeindruckend ist, sondern dass es auf die Klasse, die Moral und das Verhalten ankommt».

Usyk: «Wenn man jemanden in eine Trainingshalle aus purem Gold steckt, ist das keine Garantie dafür, dass diese Person ein Champion wird. Aber wenn du jemanden in den Keller steckst, dann ist die Chance gross, dass er aus diesem Keller als Champion herauskommt».

Luxus und Reichtum sind kein Beleg und kein Garant für Erfolg. Es ist nicht das Geld und der Wohlstand, die uns zum Champion machen. Man kann auch mit wenig Mitteln und geringen Ressourcen ein erfolgreicher Mensch werden.Man braucht keinen wohlklingenden Universitätsabschluss, viel Geld oder eben eine luxuriöse Sportanlage, um erfolgreich zu sein.


Geld und Luxus sind auch nicht die wesentlichen Merkmale eines erfolgreichen Menschen. Ein wahrer Champion zeichnet sich primär durch seinen Charakter, seine Moral und sein Handeln aus. Geld und Luxus sind sozusagen nur Nebenerscheinungen.



6. Amor Fati


Usyk: «Du bist zuversichtlich, du gehst in den Ring, um zu kämpfen, aber da ist immer diese kleine Sorge, bei der du denkst: "Gott, bin ich nervös". Dabei gibt es nur eines: Man muss sich auf den Moment einlassen und ihn geniessen.»

Sogar ein Weltmeister ist in Angesicht einer neuen Herausforderung nervös.


Statt vor der Herausforderung zu schrumpfen und vor ihr Reissaus zu nehmen, stellt sich der Champion nicht nur der Aufgabe, er umarmt und geniesst sie.


Die Vergangenheit ist unveränderlich und die Zukunft unvorhersehbar. Es gibt schlussendlich nur das Hier und Jetzt.


Wenn zwei Boxer sich gegenüber im Ring stehen, dann gibt es kein Zurück mehr. Einer wird als Sieger, der andere als Verlierer den Ring verlassen. Keiner den beiden weiss mit absoluter Sicherheit, ob er den Kampf unversehrt überstehen wird.


In diesem Moment spielt dies aber keine Rolle. Es geht nur darum diesen Moment auszukosten und das Maximum aus ihm rauszuholen.


Es ist dies auch die Idee von Nietzsches «Amor Fati»: «Meine Formel für die Grösse am Menschen ist Amor Fati: Das man nichts anderes haben will, vorwärts nicht, rückwärts nicht, in alle Ewigkeit nicht. Das Notwendige nicht bloss ertragen, noch weniger verhehlen, sondern es lieben.»


Ähnlich sah es auch der Stoiker Seneca rund zwei tausend Jahre früher: «Die innere Freude des Weisen ist eine ununterbrochene, sie wird durch keinen Zufall, durch keinen Schicksalsschlag beeinträchtigt. Er ist stets voller stiller Freude.»


Wenn Sie also eine Herausforderung annehmen, dann seien Sie sich bewusst, dass es Momente geben wird, die Ihnen Angst bereiten. Gäbe es diese Momente nicht, dann wäre es keine Herausforderung.


Denken Sie daran, dass es sogar den stärksten Boxern auf der Welt so geht. Nehmen Sie sich diese Champions zum Vorbild und umarmen sie diesen Moment. Denn es ist Ihr Moment.



7. Seinen eigenen Weg gehen


Zum Schluss noch ein Zitat von Anthony Joshua:


«Man muss immer dem folgen, was uns unsere Seele sagt, und nicht dem, was andere uns raten. Ich bin ein Mann, der immer seinen eigenen Weg gehen wird».

Hören wir vermehrt auf uns selbst, folgen wir unserem eigenen moralischen Kompass und lassen wie uns nicht durch andere regulieren und bevormunden.


Jeder von uns weiss, was gutes und schlechtes Handeln ist, jeder von uns ist in der Lage sich einen eigenen moralischen Kompass zu konstruieren. Natürlich müssen wir anderen zuhören und unsere Meinung mit anderen Meinungen herausfordern. Natürlich sollten wir unsere Weltsicht und unsere Moral immer wieder kritisch hinterfragen. Und natürlich müssen wir uns bewusst sein, dass wir uns irren können und allenfalls unseren moralischen Kompass justieren müssen.


Wir müssen aber immer zu einer eigenen Meinung kommen, da wir schlussendlich auch allein für unser Handeln verantwortlich sind.


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An dieser Stelle auch herzlichen Dank an die Zuschriften. Ich erhielt viel Feedback für meine letzte Folge, in welcher ich meine Gedanken zum Erfolgsmodell Schweiz erläutert habe.


Vielen Dank auch für die Spenderinnen und Spender. Wenn Sie den stoischen Piraten unterstützen wollen, dann können Sie dies tun, indem Sie mir ein oder mehrerer Kaffess auf www.buymeacoffee.com/stoicpirate spendieren.


So. that’s it


Ich wünsche Euch eine erfolgreiche Woche und hoffe, dass Sie auch künftig mit an Bord des Schiffs des stoischen Piraten kommen werden.


Macht es gut, Bis bald!






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